Post-COVID – auch Long-COVID genannt – betrifft Millionen Menschen weltweit und verursacht langanhaltende Beschwerden, deren Ursachen bislang nur unvollständig verstanden sind. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Beteiligung von DZL-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern der Standorte ARCN, BREATH und CPC-M hat neue molekulare Mechanismen identifiziert, die zur Entstehung des Post-COVID-Syndroms (PCS) beitragen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.
Die Studie wurde von Forschenden des Forschungszentrums Borstel – Leibniz Lungenzentrum (FZB), der Universität zu Lübeck, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und weiteren Partnern durchgeführt. Grundlage waren Nasenbiopsien von 25 Personen aus der bundesweiten NAPKON-Kohorte. Mithilfe modernster Einzelzell-Transkriptomik (scRNA-seq) und humaner Schleimhautmodelle analysierte das Team zelluläre und molekulare Veränderungen in der Atemwegsschleimhaut von PCS-Betroffenen.
Die Forschenden fanden heraus, dass die Schleimhaut der oberen Atemwege Monate nach der Infektion strukturell verändert bleibt – auch ohne aktive Virusinfektion. Verantwortlich dafür sind vor allem die Botenstoffe TNFα und TGFβ, die eine dauerhafte Fehlprogrammierung der Schleimhautzellen verursachen. Diese Entzündungsprozesse beeinträchtigen die Regeneration des Flimmerepithels und können typische PCS-Symptome wie Atembeschwerden und erhöhte Infektanfälligkeit erklären. DZL-Forschende bestätigten diese Mechanismen in innovativen humanen Modellen der Atemwegsschleimhaut.
Die identifizierten Signalwege könnten neue Ansatzpunkte für gezielte Behandlungsstrategien gegen PCS bieten. Durch die therapeutische Modulation dieser Entzündungswege könnten Symptome gelindert oder langfristige Schleimhautschäden verhindert werden. Zudem könnten die Erkenntnisse auch für andere chronische Lungenerkrankungen relevant sein.
Die Studie entstand im Kontext des Exzellenzclusters „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“ (PMI), der im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert wird. PMI vereint rund 400 Forschende an acht Einrichtungen in Kiel, Lübeck, Plön und Borstel. Ziel des Clusters ist es, Erkenntnisse aus der interdisziplinären Entzündungsforschung schneller in die klinische Anwendung zu überführen – insbesondere in den Bereichen Früherkennung, Vorhersage des Krankheitsverlaufs und individualisierte Therapien.
Quelle: Neue Erkenntnisse zu molekularen Ursachen von Long-COVID
Originalpublikation: Reddy, KD, Maluje, Y, Ott, F et al.: scRNA-seq reveals persistent aberrant differentiation of nasal epithelium driven by TNFα and TGFβ in post-COVID syndrome. Nat Commun (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-64778-0.