Während frühere Untersuchungen zeigten, dass ETI die Lungenfunktion verbessert und Symptombelastung reduziert, fehlten bislang Daten darüber, wie sich die entzündliche Aktivität über längere Zeiträume entwickelt. Die aktuelle Studie schließt diese Lücke und beobachtete Kinder, Jugendliche und Erwachsene über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten nach Therapiebeginn. Dabei zeigte sich bereits nach drei Monaten eine deutliche Abnahme zentraler Entzündungsmarker im Blut – darunter CrP, Neutrophile Granulozyten und verschiedene Zytokine – und dieser Effekt blieb in großen Teilen des Kollektivs über zwei Jahre erhalten. Die untersuchten Entzündungswerte sanken bereits nach 3 Monaten auf etwa 40–80 % der Ausgangswerte. Gleichzeitig verbesserten sich die Lungenfunktionswerte signifikant und stabil und es zeigten sich enge Verknüpfungen zwischen den klinischen Verbesserungen und den Verbesserungen der Entzündungswerte.
„Besonders bemerkenswert ist, dass die Studie im Rahmen eines realen Versorgungskontextes durchgeführt wurde. Sie bestätigt damit, dass die positiven Effekte der Dreifachtherapie nicht nur unter den kontrollierten Bedingungen klinischer Studien auftreten, sondern sich ebenso im Alltag der Patientinnen und Patienten zeigen lassen“, sagt Dr. Olga Halle, Humanbiologin am DZL-Standort BREATH. „Diese neue Evidenz ergänzt frühere Berichte, die vor allem die Überlegenheit der Dreifachtherapie gegenüber älteren Zweifachkombinationen hinsichtlich klinisch-funktioneller Parameter betonten, um den wichtigen Aspekt der systemischen Entzündung.“ Mit den nun vorliegenden Daten lässt sich die Wirkung von ETI deutlich präziser beschreiben: Die Therapie wirkt nicht nur symptomatisch und verbessert die Sekret-Clearance, sondern beeinflusst offenbar auch grundlegende biologische Prozesse der Erkrankung – insbesondere die chronische Entzündung, die eine zentrale Rolle in der langfristigen Gewebsschädigung spielt. Nach spätestens 24 Monaten entsprachen nahezu alle untersuchten Entzündungsmarker im Mittel den Werten einer gesunden Vergleichsgruppe.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass bei vielen Betroffenen trotz deutlicher Verbesserungen eine gewisse Restentzündung bestehen bleibt. Einzelne Marker lagen bei manchen Personen auch nach 24 Monaten weiterhin über dem Niveau Gesunder, was auf eine anhaltende oder wiederkehrende Rest-Entzündung schließen lässt. Auffällig war zudem, dass Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren bereits vor Therapiebeginn eine geringere entzündliche Aktivität aufwiesen als Jugendliche und Erwachsene.
Dies eröffnet neue Forschungsfragen, etwa zur Bedeutung dieser residualen Entzündungsaktivität und zu möglichen Zusatztherapien, die die langfristige Krankheitsprogression weiter bremsen könnten. Für das DZL unterstreicht die Arbeit daher nicht nur die Bedeutung präziser Langzeitbeobachtungen, sondern auch die Notwendigkeit, zukünftige Therapiestrategien weiterzuentwickeln. Die Daten legen nahe, dass ergänzende anti-entzündliche oder anti-infektiöse Ansätze wertvoll sein könnten, um die verbliebene Entzündungsaktivität weiter zu reduzieren.
„Mit dieser Studie zeigen wir erstmals im Versorgungsalltag, dass die Dreifachtherapie nicht nur die Lunge entlastet, sondern systemische Entzündung langfristig reduziert – ein wichtiger Schritt für das Verständnis des biologischen Nutzens dieser Behandlung“, sagt Letztautorin und DZL-Wissenschaftlerin Prof. Anna Maria Dittrich von der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover am DZL-Standort BREATH.
Die Ergebnisse markieren einen wichtigen Fortschritt in der CF-Forschung und verdeutlichen, welches Potenzial in der systematischen, standortübergreifenden Zusammenarbeit im DZL steckt. Sie liefern zudem eine solide wissenschaftliche Grundlage für die Einschätzung, wie nachhaltig ETI den Krankheitsverlauf beeinflussen kann – gerade bei jungen Patientinnen und Patienten, deren langfristige Prognose stark von frühzeitiger Kontrolle der Entzündung abhängt.
Quelle: BREATH
Originalpublikation: Halle O. et al. Longitudinal real-world effects of elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor on systemic inflammation in cystic fibrosis. European Respiratory Journal 2025 66(6): 2500150; DOI: https://doi.org/10.1183/13993003.00150-2025