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5. August 2025

Early Career Scientists fordern strategischen Wandel im Kampf gegen Atemwegserkrankungen

News 2025-322 DE

Lungenerkrankungen sind eine der führenden Todesursachen weltweit – und doch bleibt ihre gesellschaftliche Wahrnehmung erschreckend gering. In einem aktuellen Kommentar in The Lancet Respiratory Medicine fordern die DZL-Wissenschaftler Dr. Mustafa Abdo (DZL-Standort TLRC) und Dr. Hendrik Pott (DZL-Standort UGMLC) gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen ein Umdenken in der globalen Gesundheitskommunikation und Forschungspolitik.

COPD war bereits 2019 die dritthäufigste Todesursache weltweit – und laut Prognosen wird sich die Zahl der Betroffenen bis 2050 auf etwa 590 Millionen Menschen erhöhen. Auch andere Erkrankungen des respiratorischen Systems wie schweres Asthma, Lungenkrebs oder idiopathische Lungenfibrose stellen große medizinische Herausforderungen dar – mit hohen Kosten für Gesundheitssysteme und Gesellschaft. Gleichzeitig sind Menschen in sozioökonomisch benachteiligten Regionen besonders häufig betroffen, unter anderem durch Luftverschmutzung, Arbeitsbedingungen oder mangelnden Zugang zu medizinischer Versorgung.

Trotz dieser alarmierenden Zahlen spiegelt sich die Relevanz von Lungenerkrankungen weder in der Forschungsförderung noch in der öffentlichen Debatte wider. Die Autorinnen und Autoren des Kommentars weisen unter anderem darauf hin, dass die Publikationsrate zu Atemwegserkrankungen im Vergleich zu anderen großen Volkskrankheiten seit Jahrzehnten rückläufig ist. Auch die Forschungsförderung fällt im Vergleich zu anderen nichtübertragbaren Krankheiten deutlich geringer aus, was langfristig eine Lücke zwischen Krankheitslast und wissenschaftlichem Fortschritt entstehen lässt.

Ein wesentlicher Grund dafür ist laut den Forschenden ein Mangel an gesellschaftlichem Bewusstsein für das Thema Lungengesundheit. In internationalen Gesundheitsumfragen rangieren Atemwegserkrankungen regelmäßig weit hinter Themen wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig sind nationale Strategien zur Förderung der Lungengesundheit, wie sie etwa im Bereich der Onkologie existieren, in vielen Ländern nicht etabliert.

Der Kommentar zeigt Wege auf, wie dieser Rückstand überwunden werden kann:

  • Erstens braucht es eine bessere Vermittlung von Lungengesundheit durch medizinische Fachkräfte – auch über klassische Kanäle hinaus, etwa durch Social Media, Storytelling oder gesundheitsjournalistische Beiträge.
  • Zweitens sind nationale Strategien für Lungengesundheit nötig, um Forschung, Prävention und Versorgung systematisch zu fördern.
  • Drittens betont die Gruppe die Bedeutung von patientengetragener Interessenvertretung, wie sie in anderen Bereichen – etwa bei Mukoviszidose in den USA – bereits erfolgreich dazu beigetragen hat, Forschung und Versorgung zu verbessern.

Die Forschenden plädieren für ein Umdenken: Lungenerkrankungen sollten nicht länger als individuelles Versagen oder reine Folge des Rauchens betrachtet werden. Vielmehr müsse die Komplexität der Krankheitsursachen, einschließlich Umweltfaktoren und struktureller Ungleichheiten, in den Mittelpunkt rücken. Die Lunge brauche eine stärkere symbolische und politische Sichtbarkeit, vergleichbar mit dem Stellenwert, den das Herz in der Kardiologie längst genießt.

Der vollständige Kommentar ist am 17. Juli 2025 in The Lancet Respiratory Medicine erschienen.


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