Die Lebenserwartung nach einer Lungentransplantation verbessern und chronische Abstoßungsreaktionen frühzeitig vorhersagen – dieses Ziel verfolgen DZL-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler am Standort BREATH. Ein Forschungsteam um PD Dr. Lavinia Neubert und PD Dr. Jan-Christopher Kamp von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht, warum manche Transplantierte deutlich länger mit ihrer neuen Lunge leben als andere. Das Projekt wird vom Land Niedersachsen und der VolkswagenStiftung mit rund 465.000 Euro gefördert.
Lungentransplantationen sind oft die letzte Therapieoption für Menschen mit schwersten Lungenerkrankungen. Trotz medizinischer Fortschritte entwickelt jedoch ein Teil der Patientinnen und Patienten eine sogenannte chronische Lungentransplantatdysfunktion (CLAD), die langfristig zum Funktionsverlust des transplantierten Organs führen kann. Noch immer verstirbt etwa die Hälfte der Transplantierten innerhalb von sechs bis zehn Jahren nach dem Eingriff.
Die DZL-Wissenschaftler PD Dr. Lavinia Neubert, Pathologin und Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Lungenforschung am Institut für Pathologie der MHH, und PD Dr. Jan-Christopher Kamp, Pneumologe an der Klinik für Pneumologie und Infektiologie der MHH, richten ihren Blick auf sogenannte „Super-Survivors“ – Transplantierte, die über mindestens drei Jahre keine Anzeichen einer chronischen Abstoßung zeigen.
Im Fokus der Forschenden stehen Alveolarmakrophagen, spezialisierte Immunzellen in den Lungenbläschen. Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Zellen eine schützende und regulierende Rolle nach der Transplantation spielen könnten. Nun soll geklärt werden, welche Makrophagen-Typen und Signalwege mit einer langfristigen Transplantattoleranz und einem besseren Überleben zusammenhängen.
Hierfür analysiert das Team Gewebe- und Blutproben von Super-Survivors, Patientinnen und Patienten mit bestätigter CLAD sowie gesunden Kontrollpersonen. Mithilfe moderner Proteomik-Verfahren und der Untersuchung von Immunbotenstoffen wollen die Forschenden neue Biomarker identifizieren, die künftig über einfache, minimalinvasive Bluttests bestimmt werden könnten.
Langfristig sollen die Erkenntnisse dazu beitragen, den Verlauf nach einer Lungentransplantation besser vorherzusagen und neue präventive Behandlungsansätze zu entwickeln. Ziel ist es, schützende Mechanismen im Transplantat gezielt zu fördern und chronische Abstoßungsreaktionen möglichst früh zu erkennen oder sogar zu verhindern.
Das Projekt „Identifying liquid biomarkers for the prediction of clinical outcomes after lung transplantation using plasma proteomics“ ist eine Kooperation mehrerer Einrichtungen der MHH, der Hannover Unified Biobank (HUB) sowie des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM). Das Vorhaben ist auf zweieinhalb Jahre angelegt und startete am 1. Juni 2026.
Quelle: Medizinische Hochschule Hannover : Biomarker für besseres Transplantatüberleben gesucht