In den deutschsprachigen Ländern werden jährlich ca. 450 Lungentransplantationen durchgeführt – etwa 100 an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die Nachsorge der derzeit über 1.000 erwachsenen Menschen nach Lungentransplantation an der MHH betreut Prof. Dr. Jens Gottlieb mit seinem Team seit vielen Jahren, in ganz Deutschland sind es 2.500.
Die Leitlinie schlägt einen konkreten Plan für die Nachsorge von Erwachsenen vor – von der engmaschigen Betreuung in den ersten Wochen nach der Transplantation bis zu langfristigen jährlichen Kontrollen. Sie gibt Empfehlungen zu diagnostischen Verfahren, Infektionsprophylaxe, Immunsuppression, Screening auf Begleiterkrankungen und Strategien zur Prävention von Abstoßungsreaktionen. Etwa die Hälfte der Empfehlungen sind evidenzbasiert (auf Basis von randomisiert kontrollierten Studien), die andere Hälfte beruht auf einem breiten Konsens der beteiligten Experten. Für ein seltenes, hochspezialisiertes Gebiet wie die Lungentransplantation schafft die Leitlinie damit erstmalig einheitliche Standards, die sowohl die Versorgungsqualität als auch die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Transplantationszentren erheblich verbessern können.
„Dass wir jetzt eine S3-Leitlinie zur Nachsorge nach Lungentransplantation vorliegen haben, ist ein echter Durchbruch für die Versorgung“, sagt Prof. Jens Gottlieb. „Wir profitieren enorm von einem gemeinsamen, wissenschaftlich fundierten Rahmen, der es uns ermöglicht, Patientinnen und Patienten langfristig besser zu begleiten. Für ein so anspruchsvolles Feld und ein seltenes Verfahren wie die Lungentransplantation ist das ein entscheidender Schritt nach vorn.“
Die Leitlinie unterstreicht auch die Bedeutung der translationalen Zusammenarbeit zwischen Forschung und Klinik. Die enge Verzahnung zwischen grundlegenden krankheitsbiologischen Erkenntnissen, klinischer Expertise und Versorgungsforschung ist von Anfang an das Kernziel des Deutschen Zentrums für Lungenforschung. Dass diese Expertise nun in ein nationales Leitlinienwerk eingeflossen ist, zeigt, wie stark die DZL-Zentren zur Weiterentwicklung der Therapie und Nachsorge lungentransplantierter Menschen beitragen.
Mit der neuen S3-Leitlinie erhoffen sich die beteiligten Ärztinnen und Ärzten die langfristigen Ergebnisse der Lungentransplantation nachhaltig zu verbessern.
Sie finden die Leitlinie hier.
Quelle: BREATH