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31. Juli 2026

Neue Einblicke in den Bauernhof-Effekt: Den schützenden Mikroben auf der Spur

News 2026-315 DE

Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, erkranken seltener an Asthma und Allergien. Doch warum? Ein internationales Forschungsteam hat nun einen wichtigen Teil des sogenannten Bauernhof-Effekts entschlüsselt. Im Mittelpunkt stehen bestimmte Bakterien aus der Stallluft, ihre Stoffwechselprodukte und zwei Rezeptoren in menschlichen Atemwegszellen.

Seit vielen Jahren beobachten Forschende, dass Kinder aus bäuerlichen Umgebungen seltener Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis entwickeln. Als mögliche Erklärung gilt der intensive Kontakt mit einer vielfältigen mikrobiellen Umwelt – insbesondere in Kuhställen. Welche Mikroorganismen dabei tatsächlich eine schützende Wirkung entfalten, war bislang jedoch unklar.

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Markus Ege, DZL-Wissenschaftler am Standort CPC-M, ist dieser Frage nun nachgegangen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal New England Journal of Medicine – Evidence veröffentlicht.

Die Mikroben hinter dem Bauernhof-Effekt

Für die Studie analysierten die Forschenden Proben und Gesundheitsdaten von mehr als 1.000 Kindern aus europäischen Studien. Untersucht wurden unter anderem Nasenabstriche und Staubproben aus dem Umfeld der Kinder. Zusätzlich standen Staubproben aus Kuhställen zur Verfügung.

Mithilfe moderner Gen- und Stoffwechselanalysen konnten die Forschenden bestimmte Bakterien identifizieren, die besonders eng mit dem Schutz vor Asthma und allergischen Erkrankungen verbunden sind. Dazu gehören beispielsweise Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis. Die Ergebnisse wurden anschließend anhand von Daten aus Frankreich und Finnland überprüft.

Die identifizierten grampositiven Bakterien erklären nach den Berechnungen des Teams einen erheblichen Anteil des Bauernhof-Effekts: etwa zwei Drittel des Effekts auf Asthma und rund die Hälfte des Effekts auf Heuschnupfen und Neurodermitis.

Nicht die Bakterien allein machen den Unterschied

Entscheidend sind offenbar die Stoffwechselprodukte der Bakterien. Dazu gehören unter anderem Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure. Diese Substanzen können über die Stallluft aufgenommen werden und mit Zellen der Atemwege interagieren.

Dabei spielen die Rezeptoren AhR und PPARγ eine wichtige Rolle. Sie sind unter anderem an der Regulation des Immunsystems beteiligt und könnten dazu beitragen, überschießende Entzündungsreaktionen zu verhindern.

Damit lässt sich erstmals ein wesentlicher Teil der biologischen Kette des Bauernhof-Effekts nachvollziehen:

Stallumgebung → Bakterien → Stoffwechselprodukte → Rezeptoren → Immunreaktion

„Mit unserer neuen Studie können wir die einzelnen Glieder der vermuteten Kausalkette benennen“, erklärt Markus Ege.

Vom Bauernhof in die Prävention

Die Ergebnisse liefern neue Ansatzpunkte, um die molekularen Mechanismen des Bauernhof-Effekts weiter zu erforschen. Langfristig könnte daraus auch die Idee entstehen, den natürlichen Schutzmechanismus gezielt nachzuahmen – etwa durch Wirkstoffe, die bestimmte mikrobielle Stoffwechselwege oder Rezeptoren ansprechen.

Der Bauernhof-Effekt könnte damit nicht nur ein epidemiologisches Phänomen bleiben, sondern zu einem Modell dafür werden, wie die mikrobielle Umwelt die Entstehung von Asthma und Allergien beeinflusst.

 

Quelle: Der Bauernhof-Effekt, so klar wie nie zuvor | LMU Klinikum

Originalpublikation: Pagani G, Loss G, Pechlivanis S, Depner M, Müller C, Ru J, Strunz-Lehner C, Humphrey G, Ackermann G, Amir A, Melnik A, Garg N, Knight R, Dorrestein PC, Schmitt-Kopplin P, Deng L, Schloter M, Divaret-Chauveau A, Roduit C, Karvonen AM, Genuneit J, von Mutius E, Ege MJ. Gram-Positive Bacteria and the Inverse Association between Farm Exposure and Childhood Asthma. NEJM Evid. 2026 Aug;5(8):EVIDoa2500271. doi: 10.1056/EVIDoa2500271. Epub 2026 Jul 28. PMID: 42517701.


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