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19. Juni 2026

Wie die Allergenimmuntherapie das Immunsystem neu programmiert

News 2026-255 DE

Die Allergen-Immuntherapie (AIT, auch Hyposensibilisierung genannt) gehört zu den wenigen Behandlungen, die mehr leisten als nur Allergiesymptome zu lindern. Sie kann den Krankheitsverlauf verändern. Indem sie das Immunsystem schrittweise an Allergene gewöhnt, hilft sie etwa, den Übergang von einer Allergie zu Asthma zu verhindern. Forschende des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) am Standort CPC-M in München haben nun genauer untersucht, was im Immunsystem während des ersten Behandlungsjahres passiert. Ihre Ergebnisse machen eine entscheidende Übergangsphase sichtbar und zeigen Ansatzpunkte, wie sich AIT weiter verbessern lässt.

Von Entzündung zu Toleranz

Allergische Atemwegserkrankungen entstehen durch ein Ungleichgewicht des Immunsystems. Bestimmte T-Zellen treiben Entzündungen an, während regulatorische T-Zellen diese Reaktionen normalerweise bremsen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass viele T-Zellen zu Beginn einer AIT weniger aktiv werden – sie gelten als funktionell „erschöpft“. Das Forschungsteam wollte diesen Prozess genauer verstehen. Wie gelingt der Wechsel von einer entzündungsgetriebenen Immunantwort hin zu einem kontrollierten, toleranten Zustand? Und warum bleiben manche entzündungsfördernden Zellen selbst während der Therapie eingeschränkt?

Ein genauer Blick auf die Immunzellen

Um diese Fragen zu klären, kombinierten die Forschenden Patientendaten mit experimentellen Modellen der allergischen Atemwegsentzündung. Im Fokus standen verschiedene T-Zell-Typen: klassische regulatorische T-Zellen (Treg), Tr17-Zellen und entzündungsfördernde Th17-Zellen. Mit etablierten Labormethoden verfolgten sie, wie sich diese Zellen im Verlauf der AIT verändern. Zusätzlich untersuchten sie Blutproben von Patientinnen und Patienten mithilfe der Einzelzell-Transkriptomanalyse. Diese Methode zeigt, welche Gene in einzelnen Zellen aktiv sind, und macht selbst feine Veränderungen im Zellzustand sichtbar.

Regulatorische Zellen stabilisieren sich im Verlauf der Therapie

Die Ergebnisse zeigen eine klare Verschiebung des immunologischen Gleichgewichts. Während der AIT gewannen regulatorische T-Zellen ihre funktionelle Aktivität und Proliferationsfähigkeit zurück. Auch das Gleichgewicht zwischen Tr17-Zellen und klassischen regulatorischen T-Zellen normalisierte sich. Einfach gesagt: Die „Bremsen“ des Immunsystems griffen wieder besser. Bei den entzündungsfördernden Th17-Zellen zeigte sich ein anderes Bild. Sie blieben funktionell eingeschränkt und wurden nicht vollständig reaktiviert. Im Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen könnte genau das von Vorteil sein, da es schädliche Entzündungen begrenzt. Nach der AIT zeigten diese Zellen ein gemischtes Muster der Genaktivität. Das weist auf ihre hohe Anpassungsfähigkeit hin und verdeutlicht die komplexen Veränderungen des Immunsystems während der Therapie.

Bedeutung für zukünftige Therapien

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Wirkung der AIT weit über eine reine Unterdrückung von Entzündungsprozessen hinausgeht. Vielmehr führt die Therapie zu einer aktiven Neuordnung immunologischer Mechanismen, stärkt regulatorische T-Zell-Antworten und fördert die Aufrechterhaltung immunologischer Toleranz. Gleichzeitig deutet die anhaltende Funktionsstörung der Th17-Zellen darauf hin, dass es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Therapien, die diese Zellen gezielter beeinflussen, ohne das durch AIT aufgebaute regulatorische Umfeld zu stören, könnten die Wirksamkeit weiter steigern.

Für Menschen mit allergischen Atemwegserkrankungen macht diese Forschung Hoffnung auf präzisere und langfristig wirksamere Therapien. Für Ärztinnen, Ärzte und Forschende liefert sie ein klareres Bild der zellulären Veränderungen, die einer erfolgreichen Allergenimmuntherapie zugrunde liegen – und einen besseren Leitfaden, um das immunologische Gleichgewicht gezielt wiederherzustellen.

 

Originalpublikation: Charles HS, Gabr AA, Wang SH, Zissler UM, Heine S, Heldner A, Kotz S, Pechtold L, Bonsen LSZ, Pogorelov D, Kau J, Plaschke M, Hills M, Guerth F, Oelsner M, Ohnmacht C, Alessandrini F, Blank S, Chaker AM, Schmidt-Weber CB, Jakwerth CA. TNF Pathway-Mediated Tolerogenic T-Cell Trajectory Driven by Allergen Immunotherapy. Allergy. 2026 Jun;81(6):2184-2197. doi: 10.1111/all.70367. Epub 2026 Apr 30. PMID: 42059108; PMCID: PMC13256266.


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