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Die BREATH-Forschenden Christine Ehlers, Theresa Graalmann und Benjamin Seeliger. Foto: TWINCORE/ T. Damm
15. Dezember 2025

Wie T-Zellen Autoimmun-assoziierte Lungenerkrankungen antreiben

News 2025-511 DE

Eine interdisziplinäre Studie von DZL-Forschenden am Standort BREATH in Hannover untersucht, wie bestimmte Immunzellen, sogenannte T-Zellen, zu Veränderungen in der Lunge beitragen können, die bei systemischen Autoimmunerkrankungen auftreten. Diese Veränderungen werden als interstitielle Lungenmanifestationen (ILD) bezeichnet und können das Lungengewebe schädigen und die Lungenfunktion beeinträchtigen. Die Ergebnisse der Studie wurden in Rheumatology (Oxford) veröffentlicht und geben neue Einblicke, wie Immunprozesse im Blut und in der Lunge zusammenwirken, um diese Erkrankungen zu fördern.

Die Forschenden analysierten Blutproben und Flüssigkeiten aus den Lungen, sogenannte Bronchoalveolar-Lavages (BAL), von Patient:innen mit systemischer Sklerose (SSc) oder Sjögren-Syndrom (SjD) sowie von gesunden Kontrollpersonen. Die systemische Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, die vor allem die Haut und innere Organe betrifft und zu einer Verdickung und Verhärtung des Gewebes führen kann. Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Speichel- und Tränendrüsen angreift, was zu trockenen Schleimhäuten und Entzündungen führt. Beide Erkrankungen können auch die Lunge betreffen und dort zu entzündlichen Veränderungen im Lungengewebe führen. Ziel der Studie war es, Veränderungen im Verhalten und Stoffwechsel von Immunzellen zu erkennen, die diese Lungenschädigungen begünstigen.

Die Analysen zeigten deutliche Unterschiede in den T-Zellen der beiden Erkrankungen. Bei Patient:innen mit systemischer Sklerose war ein bestimmter Typ von T-Zellen, die sogenannten TEMRA-T-Zellen (terminal differenzierte Gedächtnis-T-Zellen), im Blut deutlich häufiger. Diese Zellen zeigten eine eingeschränkte Energieproduktion, was bedeutet, dass sie zwar ständig aktiv sind, aber nicht mehr richtig funktionieren – sie sind also „erschöpft“. Bei Patient:innen mit Sjögren-Syndrom wurde dagegen eine Abnahme der zytotoxischen CD8⁺-T-Zellen festgestellt. Gleichzeitig waren andere Gedächtniszellen stärker aktiviert, was darauf hinweist, dass das Immunsystem dauerhaft stimuliert wird.

Die Untersuchungen der BAL-Proben gaben direkte Einblicke in die Immunprozesse in der Lunge selbst. Hier fanden die Forschenden bei Patient:innen mit SSc- oder SjD-assoziierter ILD vermehrt CD8⁺-T-Zellen, die durch die Marker CD69⁺ und PD-1⁺ gekennzeichnet sind. Dieses Muster deutet auf chronisch aktivierte, erschöpfte Zellen hin, die wahrscheinlich dazu beitragen, dass die Entzündung in der Lunge anhält. Zudem zeigte sich eine verstärkte Aktivierung von sogenannten dendritischen Zellen Typ 2 (cDC2). Diese Zellen spielen eine Schlüsselrolle dabei, T-Zellen anzuregen und die Immunreaktion im Lungengewebe aufrechtzuerhalten.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass Lungenveränderungen bei Autoimmunerkrankungen nicht nur durch direkte Schäden im Gewebe entstehen, sondern von komplexen Prozessen des Immunsystems gesteuert werden. Gestörter Stoffwechsel, Erschöpfungszeichen und veränderte Differenzierung der T-Zellen weisen auf eine chronische Aktivierung des Immunsystems hin, die die Erkrankung verschlimmern kann.

„Die Daten zeigen, wie eng der Stoffwechsel von Immunzellen und ihre Funktion miteinander verbunden sind – und dass diese Verbindung bei Autoimmun-assoziierten Lungenerkrankungen bisher unterschätzt wurde“, erklärt Dr. Theresa Graalmann, Forschende aus dem Center for Experimental and Clinical Infection Research Twincore Hannover und aus der Klinik für Rheumatologie und Immununologie der Medizinischen Hochschule Hannover sowie Letztautorin der Publikation.

Quelle: Interdisziplinäre Studie untersucht die Rolle von T-Zellen bei Autoimmun-assoziierten Lungenerkrankungen

Originalpublikation: Ehlers C, Biermann H, Thiele T, et al. T cells of patients with systemic sclerosis or Sjögren's disease display an aberrant metabolic state and memory phenotype in blood and lungs. Rheumatology (Oxford). 2025;64(8):4806-4815. doi:10.1093/rheumatology/keaf198.


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