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28. Februar 2026

Tag der Seltenen Erkrankungen: Warum Kohortenforschung Hoffnung schafft

News 2026-096 DE

Der Internationale Tag der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar macht auf Menschen aufmerksam, die mit seltenen Diagnosen leben. Im Mittelpunkt stehen dabei die besonderen Herausforderungen in Forschung und Versorgung. Gerade weil die Fallzahlen bei seltenen Erkrankungen so gering sind, ist es notwendig, systematisch strukturierte, internationale Kohorten aufzubauen und auszuwerten. Nur so lassen sich Krankheitsverläufe verstehen, gemeinsame Muster erkennen, Unterschiede zwischen Patientinnen und Patienten beschreiben und langfristig evidenzbasierte Diagnose- und Therapiestrategien entwickeln. Ein aktuelles Beispiel liefert eine europäische multizentrische Kohortenstudie zum COPA-Syndrom, an der auch Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) an den Standorten BREATH und CPC-M beteiligt waren.

Das COPA-Syndrom: selten, komplex und klinisch herausfordernd

Das COPA-Syndrom ist eine extrem seltene, genetisch bedingte autoinflammatorische Erkrankung, die sich in unterschiedlichem Ausmaß in verschiedenen Organsystemen manifestieren kann – darunter Lunge, Haut, Gelenke, Gastrointestinaltrakt, Nieren, Leber und Herz. Bei nahezu allen Patient:innen lassen sich unterschiedliche Autoantikörper nachweisen. Am häufigsten ist die Lunge betroffen. Viele Betroffene entwickeln bereits im frühen Kindesalter eine schwere, progrediente diffuse parenchymatöse Lungenerkrankung. Die klinische Präsentation, der Krankheitsverlauf und die Ausprägung der Erkrankung variieren erheblich, was die Diagnosestellung erschwert und eine enge interdisziplinäre Betreuung erforderlich macht.

Die nun veröffentlichte Arbeit analysiert die bislang größte europäische Kohorte von 38 Patientinnen und Patienten mit genetisch gesichertem COPA-Syndrom. „Wir sehen bei nahezu allen Betroffenen eine Lungenbeteiligung, häufig bereits als erstes Krankheitszeichen“, erklärt DZL-Wissenschaftler PD Dr. Nicolaus Schwerk, Oberarzt der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie an der MHH, der täglich Kinder mit interstitiellen Lungenerkrankungen betreut. „Das unterstreicht, wie wichtig es ist, bei unklaren interstitiellen Lungenerkrankungen früh auch an seltene genetische Ursachen wie das COPA-Syndrom zu denken.“

Darüber hinaus beschreibt die Studie das breite Spektrum weiterer Organmanifestationen und bestätigt die zentrale Rolle einer fehlregulierten STING-Signalgebung mit chronischer Typ-I-Interferonaktivierung als treibenden Krankheitsmechanismus.

Therapeutische Herausforderungen

Auch therapeutisch zeigt die Kohortenanalyse, wie anspruchsvoll das Management bleibt. Viele Patientinnen und Patienten benötigen mehrere immunmodulatorische Therapien. JAK-Inhibitoren können bei einem Teil der Betroffenen die Krankheitsaktivität stabilisieren, führen jedoch häufig nicht zu einer echten Verbesserung der Lungenbeteiligung.

Die Bedeutung der Ergebnisse wird durch ein begleitendes Review in Nature Reviews Rheumatology unterstrichen. Darin wird die europäische Kohorte als wichtiger Meilenstein für das klinische Verständnis des COPA-Syndroms eingeordnet und zugleich ihre Relevanz für andere STING-assoziierte interstitielle Lungenerkrankungen im Kontext systemischer Autoimmunerkrankungen hervorgehoben.

Seltene Erkrankungen im Fokus behalten

Für die Forschenden des DZL ist es ein zentrales Anliegen, auch Menschen mit sehr seltenen Erkrankungen nicht aus dem Blick zu verlieren. Gerade im universitären Umfeld, in dem klinische Versorgung und Forschung eng verzahnt sind, besteht die Verantwortung, auch für kleine Patientengruppen belastbare Daten und Perspektiven zu schaffen.

„Für Betroffene von seltenen Erkrankungen ist der Diagnoseweg oft lang und aufwendig. Viele Familien erleben Jahre der Unsicherheit, bevor sie eine klare Einordnung erhalten“, sagt PD Dr. Nicolaus Schwerk. „Umso wichtiger ist es, dass wir diese Erkrankungen konsequent wissenschaftlich begleiten und systematisch erfassen. Nur so können wir dazu beitragen, Diagnosen früher zu stellen und Therapien gezielter einzusetzen.“

Der Tag der Seltenen Erkrankungen ist für die DZL-Wissenschaftler am daher nicht nur ein symbolischer Anlass. Er ist ein Auftrag, Aufmerksamkeit zu schaffen und das Bewusstsein für diese oft übersehenen Krankheitsbilder zu stärken. Auch die ganz seltenen Erkrankungen verdienen wissenschaftliche Präzision, klinische Expertise und eine engagierte interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Weitere Informationen zum Rare Disease Day finden Sie unter www.rarediseaseday.org.

Originalpublikation:
David C, Nathan N, Al-Abadi E et al. Insights from a novel monogenic autoinflammatory disease: overview of a multicentric European cohort of 38 patients with COPA syndrome. Ann Rheum Dis. 2025 Oct 25:S0003-4967(25)04425-5. doi: 10.1016/j.ard.2025.09.013. Epub ahead of print. PMID: 41395910; PMCID: PMC7618534.

Text: BREATH


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