Eine aktuelle wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Circulation, rückt die Funktion des rechten Ventrikels stärker in den Mittelpunkt der Forschung und klinischen Versorgung bei Pulmonaler Hypertonie (Lungenhochdruck, PH). Die Publikation fasst den aktuellen Wissensstand zu molekularen, metabolischen und bildgebenden Ansätzen zur Charakterisierung des Rechtsherzversagens zusammen. An der Stellungnahme waren mehrere Forschende des DZL beteiligt.
Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass eine Funktionsstörung des rechten Ventrikels ein entscheidender Prognosefaktor bei Pulmonaler Hypertonie ist und maßgeblich zur Krankheitslast und Sterblichkeit beiträgt. Mit fortschreitender Erkrankung führt der erhöhte Gefäßwiderstand in der Lunge zu einer chronischen Druckbelastung des rechten Herzens. Während dieses zunächst durch Anpassungsmechanismen kompensiert wird, kommt es im weiteren Verlauf zu strukturellen und funktionellen Veränderungen, die schließlich in ein Rechtsherzversagen münden.
Die Stellungnahme beschreibt detailliert die Übergänge von einer anfänglich adaptiven Hypertrophie hin zu einer maladaptiven Remodeling-Phase, die durch Dilatation, Fibrose und eine gestörte Kopplung zwischen rechtem Ventrikel und Lungengefäßen gekennzeichnet ist. Dieses sogenannte „RV–pulmonary arterial uncoupling“ gilt als Schlüsselschritt in der Krankheitsprogression.
Ein besonderer Fokus liegt auf neuen Forschungsansätzen, die über die reine Druckbelastung hinausgehen. Dazu zählen molekulare und metabolische Mechanismen wie Entzündungsprozesse, veränderte Zellkommunikation und Störungen der Energieversorgung des Herzmuskels. Parallel dazu gewinnen moderne bildgebende Verfahren und Biomarker zunehmend an Bedeutung, um krankhafte Veränderungen früher und präziser zu erkennen.
Die Autorinnen und Autoren betonen zudem das Potenzial neuer therapeutischer Strategien. Innovative Wirkstoffe, etwa aus dem Bereich der Signalweg-Modulation, könnten künftig nicht nur die Lungengefäße entlasten, sondern auch gezielt die Funktion des rechten Ventrikels verbessern.
Insgesamt unterstreicht die Stellungnahme einen Paradigmenwechsel: Das rechte Herz wird zunehmend als eigenständiges therapeutisches Ziel verstanden. Eine stärkere Berücksichtigung seiner Funktion könnte dazu beitragen, personalisierte Behandlungsansätze zu entwickeln und die Prognose von Patientinnen und Patienten mit pulmonaler Hypertonie nachhaltig zu verbessern.
Originalpublikation:
Pullamsetti, S. et al., Advanced molecular, metabolic, and imaging approaches to characterizing right ventricular failure: A scientific statement from the American Heart Association. Circulation. 2026;153:e000–e000. doi: 10.1161/CIR.0000000000001422