Die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) rückt heute am Welt-COPD-Tag weltweit in den Fokus – und auch in der Forschung hat die Erkrankung in den vergangenen Wochen besondere Aufmerksamkeit erhalten. Beim European Respiratory Society (ERS) / COPD-iNET Research Seminar in Prag kamen am 6.–7. November mehr als 120 Kliniker:innen, Forschende und Patientenvertreter:innen zusammen, um eine der größten Herausforderungen der Lungenmedizin zu diskutieren.
Im Verlauf von zwei Tagen zeigte das Seminar, wie interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit Innovationen und neue therapeutische Perspektiven vorantreiben kann. Organisiert wurde die Veranstaltung von DZL-Wissenschaftlerin Prof. Mareike Lehmann (Institut für Lungenforschung und Immunität (LHI) bei Helmholtz Munich und Institut für Lungenforschung der Universität Marburg) sowie Prof. Suzanne Cloonan (Trinity College Dublin).
Zentrale Erkenntnis: COPD beginnt früh
Eine der wichtigsten Botschaften des Treffens war, dass COPD bereits früh im Leben entsteht. Faktoren wie Frühgeburtlichkeit und Infektionen in der frühen Kindheit können die Lungenentwicklung und -funktion langfristig beeinflussen. Wie Mareike Lehmann in ihrer Eröffnungsrede betonte: „Wir müssen diese frühen Ursachen von Krankheiten verstehen, um COPD nicht nur zu heilen, sondern auch zu verhindern.“
Mehrere Vorträge befassten sich mit der Frage, warum sich manche Menschen von frühen Lungenschädigungen erholen können und wie sich dieser „Aufholprozess“ auf molekularer Ebene entschlüsseln lässt. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es ein entscheidendes Zeitfenster gibt, um diese regenerative Fähigkeit zu verstehen – und möglicherweise therapeutisch zu nutzen.
Auf dem Weg zu besseren Biomarkern der Krankheitsaktivität
Die derzeit üblichen Diagnoseparameter wie FEV1 und GOLD-Stadien reichen nicht aus, um Krankheitsaktivität und -verlauf umfassend zu erfassen. Fortschritte in der molekularen Bildgebung und Biomarkerforschung sind daher von zentraler Bedeutung. Räumliche molekulare Profilierung und zelltypspezifisches Targeting könnten helfen, den optimalen Zeitpunkt und Ort für therapeutische Eingriffe zu bestimmen.
Dr. Stijn Verleden (Belgien) präsentierte Bildgebungswerkzeuge zur Erfassung von Regenerationsprozessen, während Dr. Daniel Weiss (USA) das Potenzial von Gen- und Zelltherapien zur Förderung der Lungenreparatur vorstellte.
In Workshops wurden translationale Forschungsinstrumente wie humane Organoide, Lung-on-Chip-Modelle mit Immunzellen sowie KI-basierte Plattformen wie digitale Zwillinge diskutiert – allesamt Werkzeuge, die das Verständnis der COPD-Pathologie und neuer Behandlungsansätze erweitern.
Patientenperspektiven und Auszeichnungen
Patientenvertreter Michael Drohan teilte seine persönliche Geschichte, die die Komplexität der Erkrankung und die Möglichkeiten zur Verbesserung durch Rehabilitation verdeutlichte.
Darüber hinaus wurden herausragende Nachwuchsforschende mit Posterpreisen ausgezeichnet:
Zusammenarbeit als Schlüssel zum Fortschritt
Das Treffen endete mit einem klaren Appell zur Fortsetzung der internationalen Zusammenarbeit in Netzwerken wie COPD-iNET. Wie Prof. Önder Yildirim, Direktor des DZL-Standorts München (CPC-M), zusammenfasste: „Nur gemeinsam können wir COPD verhindern und heilen. Die zwei Tage hier in Prag haben erneut gezeigt, wie wichtig dieses Netzwerk ist, um dieser schweren Krankheit zu begegnen.“
Über COPD-iNET:
Das internationale Netzwerk wurde gegründet von Önder Yildirim, Thomas Conlon, Theo Kapellos, Roxana Wasnick (alle DZL-Standort CPC-M), Mareike Lehmann (DZL-Standorte CPC-M und UGMLC) und weiteren internationalen Kollegen. Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung der translationalen COPD-Forschung durch regelmäßigen Austausch über aktuelle Projekte wie modernste humane In-vitro-Modelle, neueste systembiologische und KI-basierte Ansätze und klinische Kohorten.
Mehr erfahren unter copd-inet.com.