Dr. Christina Malainou, Forscherin am Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL) und wissenschaftliche Koordinatorin im Krankheitsbereich Pneumonie & Akutes Lungenversagen, wurde auf dem 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) mit dem Forschungspreis für experimentelle Pneumologie 2026 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
„Diese Arbeit liefert einen wichtigen Beitrag zum Verständnis schwerer Lungenentzündungen und ihrer Komplikationen“, betont DGP-Präsident Prof. Christian Taube. „Die Ergebnisse zeigen, wie komplex die Immunreaktionen in der Lunge sind und eröffnen ganz neue Ansatzpunkte für zukünftige Therapien. Eine hervorragende Leistung, die Hoffnung für die Behandlung unserer zukünftigen schwerstkranken Patientinnen und Patienten gibt.“ Die Auszeichnung würdigt ihre Arbeiten zu den immunologischen Mechanismen, die nach schweren Virusinfektionen der Lunge zu gefährlichen bakteriellen Zweitinfektionen führen können (DZL-News vom 06.01.2026).
Nach einer schweren Infektion mit Influenzaviren entwickeln manche Patient:innen lebensbedrohliche bakterielle Lungenentzündungen. Die Ursachen dafür waren bislang nur unvollständig verstanden. Im Zentrum der Forschung von Christina Malainou stehen Alveolarmakrophagen – spezialisierte Immunzellen in den Lungenbläschen, die als erste Verteidigungslinie gegen Krankheitserreger fungieren. Sie erkennen und beseitigen Viren, Bakterien und Schadstoffe, bevor diese größeren Schaden anrichten. Nach einer schweren Virusinfektion kann diese Schutzfunktion jedoch vorübergehend ausfallen – mit potenziell schwerwiegenden Folgen.
In experimentellen Studien konnte das Forschungsteam zeigen, dass die schützenden Makrophagen nach einer schweren Virusinfektion nicht direkt durch das Virus zerstört werden. Stattdessen sterben sie durch ein Signal aus dem entzündeten Lungengewebe. Dieses Signal wird von Neutrophilen freigesetzt – Immunzellen, die schnell an den Ort einer Infektion gelangen. Dabei schütten sie ein Molekül aus, das an Rezeptoren der Makrophagen bindet und dort gezielt den Zelltod auslösen kann. „Wir konnten zeigen, dass genau dieser Signalweg entscheidend dazu beiträgt, dass die schützenden Makrophagen verloren gehen“, erklärt Christina Malainou. „Dadurch entsteht ein Zeitfenster, in dem die Lunge besonders anfällig für eine zweite Infektion ist.“
In weiteren Experimenten schalteten die Forschenden diesen Signalweg gezielt aus. Das Ergebnis: Die Makrophagen überlebten länger, bakterielle Erreger konnten besser kontrolliert werden, und die Überlebensrate im Modell verbesserte sich deutlich. Diese Ergebnisse zeigen, dass der identifizierte Mechanismus eine zentrale Rolle bei der Entstehung schwerer Zweitinfektionen spielt und eröffnen neue Ansatzpunkte für zukünftige Therapien. Die Studie entstand in enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern, darunter die Forschungsgruppe um Malainou am Universitätsklinikum Gießen, das Institute for Lung Health (ILH), das Cardiopulmonary Institute (CPI) sowie weitere Forschungseinrichtungen in Deutschland, Argentinien und Spanien. „Der Preis ist vor allem eine Anerkennung für die Arbeit unseres gesamten Teams“, betont Christina Malainou. „Ohne diese internationale Zusammenarbeit wären solche komplexen Studien kaum möglich.“ Die ausgezeichnete Arbeit unterstreicht die Bedeutung der pneumologischen Grundlagenforschung im DZL und zeigt, wie neue Erkenntnisse aus der Immunologie direkt zu verbesserten Strategien für die Behandlung schwerer Lungenerkrankungen beitragen können.
Langfristig sollen die Ergebnisse dazu beitragen, neue Therapieansätze zu entwickeln, die Patient:innen besser vor schweren Lungenentzündungen schützen. Gleichzeitig bleibt Prävention ein wichtiger Faktor: „Ein wirksamer Schutz, den wir bereits heute haben, ist die Impfung gegen Influenza“, betont die Preisträgerin.
Quelle: DGP