Eine deutsche multizentrische Studie zeigt, dass der Antikörper Dupilumab die Häufigkeit akuter Krankheitsschübe bei Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und Typ-2-Entzündung deutlich senken kann. Die Studie ist eine Initiative des Airway Research Center North (ARCN) innerhalb des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) und wurde in Zusammenarbeit mit den anderen vier DZL-Standorten sowie weiteren pneumologischen Fach- und Universitätskliniken in Deutschland durchgeführt.
Bei COPD sind die Atemwege dauerhaft verengt, sodass Betroffene häufig unter Atemnot, Husten und Auswurf leiden. Akute Verschlechterungen der Erkrankung, sogenannte Exazerbationen, können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und Krankenhausaufenthalte erforderlich machen. Für die Studie wertete ein Forschungsteam die Behandlungsergebnisse von 99 Patientinnen und Patienten aus 14 spezialisierten Zentren in Deutschland aus. Unter der Behandlung mit Dupilumab sank die Häufigkeit mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen deutlich. Auch die von den Betroffenen berichteten Beschwerden verbesserten sich.
Bei einem Teil der Menschen mit COPD spielt eine Typ-2-Entzündung eine wichtige Rolle. Diese Form der Entzündung lässt sich unter anderem anhand von Biomarkern wie der Zahl eosinophiler Granulozyten im Blut erfassen. Dupilumab ist ein monoklonaler Antikörper, der die Signalwege der Botenstoffe Interleukin-4 und Interleukin-13 blockiert und dadurch gezielt in diese Entzündungsprozesse eingreift. Die Wirksamkeit der Therapie bei COPD mit Typ-2-Entzündung wurde bereits in großen klinischen Studien nachgewiesen. Daten aus der regulären medizinischen Versorgung waren bislang jedoch nicht vorhanden.
Für die aktuelle Untersuchung wertete das Forschungsteam anonymisierte klinische Daten aus. Die 99 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten hatten trotz inhalativer Dreifachtherapie wiederholt Exazerbationen erlitten und erhielten Dupilumab. Bei vielen war die Erkrankung bereits weit fortgeschritten. Während der Behandlung sank die jährliche Rate mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen im Vergleich zum Zeitraum vor Therapiebeginn um 70 Prozent. Auch schwere Krankheitsschübe, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machten, gingen deutlich zurück. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Dupilumab dazu beitragen kann, die Häufigkeit akuter Verschlechterungen bei Betroffenen mit COPD und Typ-2-Entzündung zu verringern.
Neben der Häufigkeit akuter Krankheitsschübe untersuchte das Team Veränderungen der Symptome und der Lungenfunktion. Die von den Betroffenen berichteten Beschwerden verbesserten sich im Verlauf der Behandlung. Auch der Atemwegswiderstand nahm ab. Die Veränderungen der Lungenfunktion fielen insgesamt moderater aus als die Effekte auf die Exazerbationshäufigkeit. Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass die Behandlung sowohl die Krankheitsbelastung als auch bestimmte physiologische Merkmale der Atemwegsfunktion positiv beeinflussen könnte.
Die Forschenden untersuchten außerdem, ob sich die Behandlungsergebnisse je nach klinischen Merkmalen der Erkrankung unterschieden. Die Verringerung der Exazerbationen zeigte sich bei Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen COPD-Phänotypen. Dazu gehörten Menschen mit begleitendem Asthma, chronischer Bronchitis oder einem ausgeprägten Lungenemphysem. In den untersuchten Untergruppen fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede im Behandlungseffekt. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, welche Faktoren das Ansprechen auf Dupilumab beeinflussen.
„Ich freue mich, dass wir mit unserer Studie erstmals multizentrische Real-World-Daten zur Wirksamkeit von Dupilumab bei COPD vorlegen können. Wir zeigen konsistente Effekte über verschiedene klinische Phänotypen hinweg sowie positive Effekte auf Lebensqualität und Lungenfunktion – Endpunkte, die in den zulassungsrelevanten klinischen Studien nicht in gleicher Weise untersucht wurden. Möglich wurde dies durch die enge Zusammenarbeit zahlreicher deutscher Zentren, darunter DZL-Zentren und weitere Kliniken“, sagt der Leiter der Studie, Dr. Mustafa Abdo vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.
Die Ergebnisse ergänzen erstmals die Erkenntnisse aus klinischen Studien um Erfahrungen aus der medizinischen Routineversorgung. Sie zeigen, dass Dupilumab auch bei Patientinnen und Patienten mit teilweise weit fortgeschrittener COPD und hoher Krankheitsbelastung mit einer deutlichen Verringerung akuter Krankheitsschübe verbunden war. Da es sich um eine retrospektive Untersuchung ohne Kontrollgruppe handelt, müssen weitere Studien die Ergebnisse bestätigen. Die Untersuchung liefert wichtige Hinweise auf das Potenzial zielgerichteter Therapien bei COPD mit Typ-2-Entzündung. Zugleich unterstreicht sie den Beitrag der standortübergreifenden Zusammenarbeit von Forschenden aus allen fünf DZL-Standorten zur Erforschung neuer Therapieansätze und ihrer Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen.
Originalpublikation: Abdo M, Skowasch D, Greulich T, Drick N, Lommatzsch M, Hübner RH, Trinkmann F, Milger K, Rademacher J, Kontogianni K, Aetou M, Dreher M, Alter P, Pappe E, Biener L, Sander S, Heyckendorf J, Kahnert K, Götschke J, Neurohr C, Stolz D, Veith V, Watz H, Waschki B, Mertsch P. Real-world effectiveness of dupilumab in COPD: a German multicenter analysis. Respir Res. 2026 Oct 6;27(1):386. doi: 10.1186/s12931-026-03940-8. PMID: 42839285; PMCID: PMC13640210.