In Deutschland waren nach Berechnungen des Zentrums für Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts etwa 72.000 Krebserkrankungsfälle im Jahr 2010 dem Rauchen zuzuschreiben. Das sind etwa 23% aller Krebsneuerkrankungen bei Männern sowie 8% bei Frauen. Es dauert mehrere Jahrzehnte, bis man Änderungen im Rauchverhalten von Bevölkerungsgruppen in den Krebsraten erkennt.

Seit Anfang der Neunzigerjahre sinken in fast allen Altersgruppen die Anteile der Raucher, besonders deutlich ist der Rückgang in den jüngeren Altersgruppen seit Anfang der 2000er-Jahre. Die sinkenden Zahlen gehen in erster Linie auf zahlreiche tabakpräventive Maßnahmen zurück, etwa Rauchverbote in öffentlichen Bereichen. Dennoch ist aufgrund des nach wie vor hohen Raucheranteils mittelfristig weiterhin von massiven gesundheitlichen Folgen durch den Tabakkonsum der Bevölkerung auszugehen. „Daher sollten Maßnahmen der Tabakprävention und zur Förderung des Rauchausstiegs in allen Altersgruppen weiter vorangetrieben werden“, unterstreicht Lothar H. Wieler, Präsiedent des Robert Koch-Instituts.

Tabakprävention ist Thema in vier der elf Beiträge des Leitthemas. Das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum gibt einen Überblick über Präventionsaktivitäten in Deutschland und international. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erläutert ihre „rauchfrei“-Kampagne. Zwei Beiträge gehen auf erfolgreiche Praxisbeispiele ein: den „Be Smart – Dont´t Start“-Wettbewerb für Schulklassen, bei dem sich die teilnehmenden Klassen verpflichten, ein halbes Jahr lang „rauchfrei“ zu sein und das Netzwerk „Aufklärung gegen Tabak“, eine 2012 in Deutschland unter DZL-Beteiligung gegründete Initiative, bei der sich Medizinstudenten und Ärzte ehrenamtlich fürs Nichtrauchen engagieren. Dabei werden auch moderne Medien wie die Smokerface-App eingesetzt. Die App prognostiziert auf der Grundlage eines Selfies die negativen Veränderungen im Gesicht, die durch das Rauchen entstehen würden.

Auf Schulebene adressiert das Programm 10- bis 15-jährige Sekundarschüler und -schülerinnen. Ergänzend zu einem multimodalen Ansatz werden bei den Schulbesuchen moderne Medien wie Facemorphing-Apps eingesetzt, die nicht nur von Schülern (45.000 pro Jahr in 14 Ländern), sondern insgesamt bereits von über 500.000 Menschen genutzt werden. Die Wirksamkeit der schulbasierten Intervention wird in randomisierten Langzeitstudien mit aktuell 20.000 Jugendlichen in Deutschland untersucht. Eine erste Langzeitstudie zeigte Hinweise auf einen protektiven Effekt bezüglich Rauchbeginn, besonders bei Schülerinnen, niedrigem Bildungsniveau und vorhandenem Migrationshintergrund.

Seit einigen Jahren werden neben Tabakzigaretten auch elektronische Inhalationsprodukte vermarktet, insbesondere E-Zigaretten und Tabakerhitzer. Sie setzen weniger Schadstoffe frei als herkömmliche Tabakzigaretten, bergen aber nach wie vor gesundheitliche Risiken, und auch das Suchtpotenzial bleibt bestehen. In drei Beiträgen werden die Nutzung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern in der Bevölkerung, die subjektive Einschätzung der Gesundheitsgefahren und ein Vergleich der Emissionen von Tabakerhitzern mit denen konventioneller Zigaretten vorgestellt. Ob die elektronischen Inhalationsprodukte den Einstieg in das Rauchen erleichtern oder bei der Tabakentwöhnung nutzen könnten, ist nach wie vor offen.

Weitere Informationen:

Editorial zum Leitthema im Bundesgesundheitsblatt: https://rdcu.be/baYDw

Daten und Links zum Thema Rauchen: www.rki.de/rauchen

Zur Pressemitteilung des RKI

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