Kurzatmigkeit und Atemnot erhöhen bei Lungenkrebspatienten im fortgeschrittenen Stadium oftmals das Leiden zusätzlich. Ausgelöst werden könnte dies durch Lungenhochdruck, wie DZL-Forscher des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim (MPI) und der Justus-Liebig Universität Gießen (JLU, beide DZL-Standort UGMLC) nach Untersuchungen an mehr als 500 Patienten feststellten. Ursprung sind möglicherweise Immun- und Entzündungsprozesse, die durch die Tumorzellen verursacht werden. Eine Therapie könnte an dieser Stelle ansetzen.

Lungenkrebs ist die weltweit häufigste zum Tode führende Tumorerkrankung. Viele Patienten leiden bei Fortschreiten des Lungenkrebses unter Kurzatmigkeit und Luftnot. Diese Symptome treten auch bei Krankheiten wie arteriellem Lungenhochdruck auf. Lungenhochdruck (Pulmonale Hypertonie) ist durch eine chronisch zunehmende Einengung der Lungenarterien mit erhöhtem Blutdruck und Überlastung des Herzens charakterisiert.

Die Forscher analysierten bei rund 500 Lungenkrebspatienten mittels Computertomographie den Durchmesser der Lungenarterien. „Bei mehr als der Hälfte der Patienten stellten wir eine Verdickung der Gefäßwände der Lungenarterien fest. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass diese Patienten zusätzlich an der Lungenhochdruckerkrankung leiden“, berichtet DZL-Forscher und Studienleiter Dr. Rajkumar Savai vom MPI in Bad Nauheim.

LC PH mpi gross 2017

Molekulare Kommunikation zwischen Tumor- und Immunzellen

Die Untersuchungen zeigen, dass in der direkten Umgebung des Tumors eine entzündungsfördernde Kommunikation zwischen Lungenkrebszellen und Immunzellen stattfindet, die einerseits zum Tumorwachstum beiträgt und andererseits Umbauprozesse der Lungengefäße auslöst, die die Entwicklung eines Lungenhochdrucks zur Folge haben. „Aus diesen Erkenntnissen könnte sich eine neue Möglichkeit zur Behandlung mit differenzierten entzündungshemmenden Medikamenten ergeben“, berichtet Erstautorin der Studie Dr. Soni Savai Pullamsetti, DZL-Forscherin und Arbeitsgruppenleiterin am MPI für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim (DZL-Standort UGMLC),

Forschungsergebnisse eröffnen neue Therapieoptionen

„Lungenkrebs-assoziierte Pulmonale Hypertonie stellt auf der Basis dieser Studie eine bisher unbekannte Form der PH dar. Der ‚maßgeschneiderte‘ Eingriff in das zugrunde liegende Zusammenspiel zwischen Tumorzellen, Immunzellen und Gefäßzellen eröffnet neue Therapieoptionen für die erkrankten Patienten, die jetzt rasch klinischen Prüfungen zugeführt werden sollten“, erklären DZL-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Werner Seeger und DZL-Forscher Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger (DZL-Standort UGMLC).

 

Weitere Informationen / Quellen:

Publikation:

Pullamsetti SS, Kojonazarov B, Storn S, Gall H, Salazar Y, Wolf J, Weigert A, El-Nikhely N, Ghofrani HA, Krombach GA, Fink L, Gattenlöhner S, Rapp UR, Schermuly RT, Grimminger F, Seeger W, Savai R. Lung cancer-associated pulmonary hypertension: role of microenvironmental inflammation based on tumor cell-immune cell crosstalk. Sci. Transl. Med. 9, eaai9048 (2017) 15 November 2017.
DOI: 10.1126/scitranslmed.aai9048

zur Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim

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Fachlicher Ansprechpartner am DZL-Standort UGMLC:

Dr. Rajkumar Savai, DZL-Forscher und Arbeitsgruppenleiter am
Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, Parkstraße 1, 61231 Bad Nauheim
Mitglied des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL)
und des Universities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC)
Tel.: 06032 705-420
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